Kompliziert

Nachdem Resi Stenz mit ihren Beiträgen zuletzt ins Gefühls- und Beziehungskisterl gefasst und davor ein Kochrezept dargeboten hat, war es ihr ein Bedürfnis, sich (nach dem Vorbild der österreichischen Verteidigungsministerin) als durch und durch emanzipierte Frau zu präsentieren und dabei gleichsam die dickste der Mauern zu penetrieren, welche die Männer um ihre Domänen zu errichten pflegen, und dringt mit der im Folgenden wiedergegebenen technischen Anleitung in die düsteren Jagdgründe der Männerwelt ein, wo Technik und Krieg einander Gute Nacht sagen.
Das Ergebnis ist eine Abfolge von Reimen, die dem Rhythmus der Filmmusik aus „The Last Of The Mohicans“ folgen.
Tuco hat sie für uns gelesen.
Resi stellt sich mit ihrer neuesten Kreation auch wieder der Herausforderung der ABC-Etüden, drei vorgegebene Begriffe (diesmal „Pfanne“, „glücklich“ und „trennen“) sinnvoll in einen Text von maximal 300 Wörtern einzubauen.

[Paco]

Wenn du wieder durch die Wälder streifst
und nach deiner langen Büchse greifst,
Schau, dass auch Zündkraut auf deiner Pfanne ist,
weil der Prügel nicht ohne das Zündkraut schießt
(b‘sonders feines Pulver, das nennt man so).
Um den Hals trägst du es (nicht am Po)
In ein‘ kleinen Messingfläschelchen,
Kugeln und Pflaster tu in ein Täschchen
(viel schneller tut das Zündkraut abbrennen,
deshalb muss man es vom Schießpulver trennen).
Das Pulver tragst du in ein‘ Pulverhorn
an ein‘ Riemen – so geht es dir nicht verlor’n.
Ein Pulvermaß häng dir auch um den Hals,
so hast du's zur Hand, wenn du's brauchst jedenfalls.
Lass die lange Büchse uns laden jetzt ...
Ui, das hast du in den Sand gesetzt,
der Pfannendeckel, der war gar nicht zu,
das Zündkraut deshalb verloren hast du.
Schütt dir ein bisserl neues auf die Pfann‘,
mach diesmal wieder zu den Deckel dann.
Nimm dir her jetzt Pulverhorn und –maß,
Stell auf den Boden die Büchse und lass
das Pulver in den Lauf hineinrieseln
– beeil dich, es fängt an schon zu nieseln!
Ein Schusspflaster legst du drauf auf die Mündung
– und was ist wohl dafür die Begründung? –
Vom Pflaster umhüllt passt die Kugel rein
viel besser als würde sie ohne sein!
Mi’m Ladestock rammst du sie so weit es geht,
und drüber haltest den Kopf bitte net:               
A Kompressionszündung ist nicht wahrscheinlich,
doch wenn sie passiert, ist das eben peinlich!
Jetzt ist soweit es, dass schießen du kannst,
vorausgesetzt nur, dass den Hahn du auch spannst.
Und ziehst du am Abzug, schlägt Funken der Stein,
dann brennt es vom Zündkraut zur Ladung hinein –
Wenn Gott es nur will, ja dann bricht jetzt der Schuss!
Wenn nicht, na dann ist mit Schießen halt Schluss,
weshalb jetzt der Tomahawk herhalten muss.
Doch auch die Gebräuche, die guten und alten,
zum Beispiel mi’m Tomahawk Köpfe zu spalten,
können den Krieger durchaus glücklich machen
statt der neumodischen Schießgewehrsachen.
Bei Regen sind die nur ein Scherz und zum Lachen!



10 Antworten auf “Kompliziert”

  1. Kompliziert, und ich muss zugeben, mir noch nie (zumindest sehr lange nicht mehr) Gedanken über alte Schießtechnik gemacht zu haben. Lass mich fragen: Zuerst kommt die Idee, dann die Musik, dann der Text? 🤔😉 Kompliziert fürwahr, und ich möchte dem gesamten Team Resi für die Wahrnehmung des Bildungsauftrags der Bloggerschaft herzlichst danken, speziell für die Zusammenführung von Text und Musik! 😁
    Erheiterte Nachmittagskaffeegrüße (wenigstens etwas heute) 😁🌥️☕🍩👍

    Gefällt 1 Person

    1. … ganz recht: Zuerst ist die Idee da, und die ergibt sich im konkreten Fall natürlich aus der Pfanne. Andere Etüdianten hatten die aber auch. Dann Musik aus einem passenden Zusammenhang und schließlich der Text. Für die Sachinformation kann ich den Besuch des Grazer Zeughauses sehr empfehlen, bei dessen Führungen ich bisher immer – auch sprachlich – etwas dazugelernt habe (z.B. über Redensarten wie „Lunte Riechen“ oder „etwas im Schilde führen“). Es freut mich, dass ich einen sonst wohl etwas trüben Nachmittag aufheitern durfte.

      Gefällt 2 Personen

      1. Was z.B. das Lunteriechen betrifft, soll es sich dabei nicht um Brandgeruch, sondern um Uringestank gehandelt haben, weil man die Zündschnüre der Luntenschlosswaffen in Urin nitriert hat …

        Gefällt 1 Person

      2. Ich musste gerade mal schnell eine Runde über die Suchmaschine laufen, um „nitrieren“ nachzusehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Survival-Foren nicke ich also: Ach was? Schon Ötzi soll seinen Zunder so nitriert haben, habe ich gelernt.
        Klar, an so was denkt man heute erst mal nicht mehr … 😉

        Gefällt 1 Person

    1. Der Bärentöter ist schon ein bisserl ein moderneres Modell; und in den stopft Karl May – wie’s ihm grade einfällt – Pulver und Kugeln von vorne rein oder (Metall-) Patronen von hinten.

      Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu doroblogx Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s