Die Frau aus Magdala

Nachdem in einem früheren Beitrag schon ein gewisser Franz Huber seinen Urlaubstagtraum auf die von katholischen Vorglaubern behauptete Leichtfertigkeit Maria Magdalenas gegründet hatte, nimmt sich Resi Stenz im Rahmen einiger Reime nochmals der Frau aus Magdala an. Diese steht in Schriften, welche es nicht in die Endredaktion des Neuen Testaments geschafft haben, als Gefährtin Jesu um einiges besser da als in den Augen der alten Männer, die die Glaubensgrundsätze der christlichen Religion untereinander ausgehandelt haben. Wir meinen, dass auch die folgenden Verse durchaus das Zeug zu einem apokryphen Resivangelium hätten.
Jedenfalls stellen sie einen Beitrag zu den ABC-Etüden dar (beliebiger Text von maximal 300 Wörtern, der die Begriffe „Sonnenhut“, „massieren“ und „haltlos“ enthalten soll).
Tuco trägt das Gedicht vor.
Das Beitragsbild zeigt einen Ausschnitt aus einem Gemälde Giampetrinos.

[Paco]

Vom Chef die Freundin aus Magdála,
kaum, dass sie da ist, nimmt wie immer
der gleich mit rauf und in sein Zimmer.
(Die Magdalena ist ein Knaller!)
Wir wollen diesmal eruieren,
was denn die beiden drin aufführen,
tut sie die Schläfen ihm massieren?
Ihn gar am Ohrläppchen berühren?
Johannes hebt mich hoch zum Oberlicht,
doch sieht man in das Innere nicht gut,
denn grad dort oben hängt ein Sonnenhut,
der uns ins Zimmer rein versperrt die Sicht!
Dem Johannes werd‘ ich dann zu schwer
er taumelt haltlos und ich knalle
nach scheinbar endlos langem Falle
zu Boden. ... Und was ist die Lehr‘?
Du sollst nicht spechteln und nicht spannen!
Drin entspinnt sich eine Diskussion
über Fragen uns‘rer Religion
(wir machen uns beschämt von dannen).
Der Boss: „Am siebten Tage sollst du ruh’n!“
Drauf sie: „Es heißt: <Dein Wort soll aber sein
sehr gern! und auch ja, ja! und ach, wie fein!>“
Drauf er: „ich kann nicht jeden Tag es tun!“
– „Mach es doch mir zuliebe nochmals, geh!“
– „Ich bin Erlöser und kein Zirkuspferd!“
– „Ich sehe schon, ich bin es dir nicht wert!“
– „Schon gut! Hatsch‘ ich halt wieder übern See!“

11 Antworten auf “Die Frau aus Magdala”

  1. Wenn’s bei den Göttern menschelt … 😉
    Ich kannte den Witz zwar, aber das macht ihn ja nicht schlechter 😀 Und die Schlüssellochperspektive schürt natürlich gewisse Erwartungen …
    Unerwarteterweise gefällt mir das Portrait der Dame, vielen Dank! Und die Soundbeigabe sowieso.
    Regnerische Grüße (ohne Kaffee)! 😀

    Gefällt 1 Person

    1. So ist es. Den Spechtler hätt ich gerne Lookas oder Lookass genannt. Als Fels, der unter ihm ins Wanken kommt, wären vielleicht Peter oder Judas in Frage gekommen. Aber wenn sich’s Reimen soll …?

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s